Schwerpunkte

Meine Tätigkeiten als Ethnologe umfassen eine Reihe von Schwerpunkten, die sich, salopp gesagt, in die Bereiche Forschung und Praxis aufteilen. In der Forschung setze ich Methoden der qualitativen Sozial- und Kulturforschung und hier insbesondere die ethnographische Feldforschung ein. In der Praxis habe ich als Projektmanager, Dozent und Berater gearbeitet.

Forschung

Kultur, Wirtschaft und Technologie in Transformationsprozessen
Riesige Windparks im Nordwesten Deutschlands, die Lissabon Agenda, Maßnahmen zur digitalen Integration oder die sozialen Medien sind allesamt Beispiele für die Zusammenhänge von Kultur, Wirtschaft und Technologie. Sie spiegeln sich in kulturellen, gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Transformationsprozessen wieder. Verbunden sind diese Bereiche durch die vernetzte Aktivität einer Vielzahl von Akteuren. In erster Linie bin ich als Ethnologe genau an diesen Aktivitäten bzw. Praktiken interessiert. In verschiedenen Studien habe ich auf der Basis ethnographischer Feldforschung lokale, nationale und europäische Netzwerke im Kontext von ökonomischen, kulturellen, sozialen, politischen und ethnischen Transformationsprozessen in kulturvergleichender Perspektive untersucht.

Neue Medien und Technologien als Politikstrategie
Im März 2000 verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union die Lissabon Agenda. Sie verfolgten damit das Ziel, die EU zum stärksten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Eine wichtige Rolle in dieser Politikstrategie spielten neue Medien und Technologien. Mit ihnen wollte man das Ziel umsetzen, die Gesellschaften Europas auf der Basis von Wissen und Information miteinander und untereinander zu vernetzen. Im Rahmen meiner Dissertation untersuchte ich die Auswirkungen der Lissabon Agenda und die Praxis der involvierten Akteure. Am Beispiel der nationalen Umsetzung in Deutschland erforschte ich in multiethnischen Lebensumfeldern in den Städten Esslingen und Hannover sowie auf Fachkonferenzen, in Ministerien und in Expertennetzwerken im In- und Ausland, wie dort durch das Werkzeug Computer und Internet Maßnahmen für Migranten geschaffen wurden. Diese haben das Ziel einer gesteigerten sozioökonomischen und politischen Partizipation.

Klimawandel, erneuerbare Energien und “Landscape”
Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind in den letzten zwanzig Jahren zu einem gewaltigen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Diskurs herangewachsen. Aus dem Diskutieren über Klimawandel ist auch eine vielschichtige Praxis hervorgegangen. Landschaften wie das Nordwestdeutsche Tiefland, Nord- und Ostsee und viele andere Orte der Welt sind Produktionsstätten von kostbarer Energie geworden. Windkraftanlagen, Solarzellen oder Wasserkraft dienen heute als Zukunftstechnologien der Sicherung von Energieressourcen. Ich erforsche in diesem Rahmen über die Zusammenhänge von „Windkraft, Klimawandel und deren Rolle in regionalen Wirtschaftsstrategien“. In dem internationalen Forschungsprojekt „Wind Power and Landscape“, das vom französischen Umweltministerium gefördert wurde, untersuchte ich welche Rolle der Windkraft-Boom in der sozioökonomischen Entwicklung in der Nordwestregion Deutschlands und auf der Nordseeinsel Borkum hat.

Während die Offshore-Windkraft auf der Basis von großen staatlichen Entwicklungsprojekten fußt, sind es im urbanen Kontext viel kleinere Maßnahmen, die zu einer klimaverträglichen Energiegewinnung führen sollen. Alternative Energieproduktion in Städten zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich aus verschiedenen innovativen Methoden der Energiegewinnung auszeichnet. Im urbanen Kontext führe ich derzeit eine Studie in den Niederlanden durch. Mein Ausgangspunkt dort ist das Amsterdam Smart City Projekt, in dem Politik, Wirtschaft und Bürger gemeinsam ein zukunftsträchtiges Energiekonzept für die Stadt entwickeln. Im Rahmen meiner ethnographischen Feldforschung spreche ich mit allen beteiligten Akteuren und versuche die Praxis und Dynamik herauszufinden, die für das zukunftsweisende Projekt ausschlaggebend sind. Ausgehend von Amsterdam suche ich andere Städte in Europa auf, die ähnliche Konzepte verfolgen.

Es ist dabei mein Ziel durch die Forschung im urbanen Kontext eine Vergleichsgrundlage zu den großen staatlich gepushten Projekten zu haben. Durch den Vergleich entsteht die Grundlage, auf der ich meine Habilitationsschrift zum Thema “Energie” verfasse.

Praxis

Projektmanagement
In den letzten zehn Jahren habe ich regelmäßig als Koordinator und Leiter von Projekten im Bereich der interkulturellen Erwachsenenbildung gearbeitet. Die Kernaufgaben umfassten die Planung, Beantragung und Durchführung von Bildungsangeboten für Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund. Als Projektmanager war ich für lokale, regionale und europäische Projekte zuständig (z.B. “Integration@Partizipation.NDS”, “Bridge-IT”).

Dozent in der interkulturellen Erwachsenenbildung
Neben meiner Lehrtätigkeit an der Universität arbeite ich regelmäßig als Dozent in der interkulturellen Erwachsenenbildung. Die meisten meiner Lehrangebote in diesem Bereich habe ich selbst konzipiert und richten sich schwerpunktmäßig an Menschen, die schon längere Zeit aus dem formalen Bildungssystem ausgeschieden sind oder nie eine formale Bildung an einer Schule, Universität oder in der Ausbildung in Anspruch genommen haben.

Beratung
Mein Expertenwissen aus meinen Forschungs- und Praxisschwerpunkten führen mich immer wieder zu verschiedenen Beratertätigkeiten. So war ich ich für die Europäische Kommission zu Fragen der digitalen Fähigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund, für das Projekt “Online- Kompetenz für Migrationen und Migranten in Deutschland” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, für den Bremer Rat für den Integration zu deren Webauftritt und andere Institutionen tätig.

 

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